Lettlandreise September 2001



Eine Reise in die Vergangenheit: Die Suche nach dem Grab meines Großvaters


1. Tag: Sonntag, 09. September 2001


Abreisetag nach Lettland. Um 4:30 Uhr klingelte der Wecker. Schnell noch die letzten Utensilien im Koffer verstaut, ehe es um 5:30 Uhr los ging. Mein Vater kam pünktlich mit Herrn Baumann im Auto vorgefahren. Ernst war bereits am Samstagabend aus Zweibrücken angereist und übernachtete bei meinen Eltern. Die Autobahn war um diese Zeit leer und wir erreichten den Frankfurter Flughafen um 7:15 Uhr. Es waren ziemlich genau 120 Kilometer Fahrtstrecke. Ernst und ich hatten bereits unser Gepäck aufgegeben und eingecheckt, als um 8:00 Uhr Manfred Adirsch aus Überlingen zu uns stieß. Ernst hatte ich ja bereits im Mai diesen Jahres kennen gelernt, Manfred und ich sahen uns jedoch heute zum ersten Mal. Und so hatten wir uns natürlich sehr viel zu erzählen.

Die Zeit verging dadurch sehr schnell. Um 9:15 Uhr bestiegen wir den Bus, der uns zur Maschine brachte und um 10:07 Uhr hob die vollbesetzte Boing 737 ab, Richtung Riga. Dort landeten wir exakt um 13:00 Uhr lettischer Zeit. Karlis Straubergs erwartete uns bereits am Flughafen. Die Abfertigung ging rasch und problemlos über die Bühne. Wir luden unser Gepäck in seinen Wagen und fuhren nun in die Innenstadt von Riga. An einer Wechselstube wechselten wir Geld, um anschließend den von Karlis reservierten Mietwagen abzuholen. Der weiße Opel Astra kostete umgerechnet etwa 560,- DM. Wir hatten eigentlich unser gewechseltes Geld bereits ausgegeben. Deshalb fuhren wir nochmals zu der Wechselstube.
Wir machten auch noch gleich Bekanntschaft mit der lettischen Polizei. Karlis war aus Versehen in eine gesperrte Straße eingebogen, in der natürlich prompt die Polizei stand und abkassierte. Karlis bezahlte ohne Quittung, wodurch die Rechnung etwas günstiger ausfiel. So ist das halt in Lettland. Andere Länder, andere Sitten.

Wir fuhren dann auf der Valdemarabrücke über die Düna Richtung Dzukste. An einem Lokal an der A9, nur noch wenige Kilometer von Dzukste entfernt, hielten wir an, um noch etwas zu essen. So langsam bekamen wir alle doch Hunger. Anschließend ging es zunächst direkt nach Seski, auf den Hof von Karlis, wo ich auch für die kommenden Tage Quartier bezog. Wir luden mein Gepäck aus und dann ging es nach Dzukste, zur Familie Bargais, wo Ernst und Manfred für die nächste Zeit wohnten. Sie kannten die Leute und das Haus ja bereits seit 1995. Damals hatten Ernst und Manfred Lettland schon einmal besucht.

Man erwartete uns schon früher. Frau Astrid Lerche aus Lestene und Frau Edite Baldeze (die Schwester von Modris Bargais) waren ebenfalls anwesend. Der Empfang war überaus herzlich und der Tisch war selbstverständlich auch reichlich gedeckt. Also mussten wir nochmals essen. Nach dem Essen, in der allgemeinen Runde, schaute sich dann Edite meine mitgebrachten Landkarten an. Sie wollte morgen Nachmittag mit uns das Gebiet finden, in dem das Gehöft Paugibelas sich früher befand und bei dem mein Großvater seit dem 27.12.1944 vermisst wird. Edite erklärte uns noch, dass bis 1991 viele Russen in diese Gegend kamen, um nach den Gräbern von gefallen Angehörigen zu suchen. Seit der Unabhängigkeit Lettlands kommen verstärkt die Deutschen, um, wie wir, nach den letzten Ruhestätten von gefallen-, oder vermissten Angehörigen zu forschen.

Am späten Abend fuhren Karlis und ich dann wieder nach Seski zurück. Der erste Tag war schon vorbei. Das Wetter war ähnlich wie zuletzt bei uns in Deutschland. Es war bewölkt und regnete ab und zu.



Michael Molter

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