2. Kurland-Schlacht
vom 27. Oktober bis 15. Dezember 1944



Am 27. Oktober 1944, gegen 6.00 Uhr morgens, feuerte die Artillerie der Sowjets auf die Stellungen der 18. Armee und der Armee-Abteilung Grasser. 60 russische Divisionen traten zum Sturm gegen die Heeresgruppe Nord an. Die Angriffsschwerpunkte lagen zunächst am rechten Flügel der 18. Armee, beim X. Armee-, bzw. beim III. (Germ.) SS-Panzer-Korps, zwischen Vainode (Wainoden) und Skuodas. Nur vereinzelt vorhandene Panzer-Abteilungen und Panzer-Grenadier-Regimenter der 4., 12. und 14. Panzer-Division konnten zeitweise zu Gegenangriffen übergehen, und so die feindlichen Angriffe an verschiedenen Stellen der Front zum Stehen bringen.

Ein weiterer Angriffsschwerpunkt der "Roten Armee" gegen die Stellungen des XXXVIII. Armee-Korps lag im Raum Auce (Autz). Die 32., 81., 215. und 329. Infanterie-Division, sowie die 21. Luftwaffen-Feld-Division standen dort im Kampf mit der 10. sowjetischen Gardearmee. Die Verteidigungsstellungen der 21. Luftwaffen-Feld-Division brachen, wie auch die 329. Infanterie-Division einige Kilometer Gelände preisgeben musste. Dadurch schoben sich feindliche Schützen- und Panzerverbände zwischen die 329.- und 81. Infanterie-Division. Das gesamte Korps zog sich an den Ostrand der Stadt Auce zurück.

Der General der Infanterie Grasser wurde mit der Führung seiner Armeegruppe entbunden. An seine Stelle trat der General der Kavallerie Kleffel, nach dessen Name fortan die Armeegruppe benannt wurde.

Auch am zweiten Tag der Schlacht standen die Soldaten der Armee-Abteilung Kleffel und die der 18. Armee in harten Abwehrkämpfen. Vor- und in der Stadt Auce ging heftiges Artilleriefeuer der Sowjets nieder. Trotz heftiger Gegenwehr der dort kämpfenden deutschen Divisionen konnte die Stadt nicht gehalten werden.

Es mangelte an vielen Stellen der Kurland-Front an einer durchgehenden und zusammenhängenden Hauptkampflinie. Bei den jeweiligen Schwerpunkten der Kämpfe wurden ständig Regimenter und Bataillone zu Kampfgruppen formiert, die dann fremden Divisionen unterstellt wurden. Schlechtes Wetter und mangelnder Nachschub an Treibstoff erschwerten die Lage noch zusätzlich. So mussten diese Kampfgruppen oft in tagelangen Märschen durch verschlammtes Gelände zu ihren Einsatzorten gelangen.

Bei Priekule (Preekuln) verstärkten sich die sowjetischen Angriffsbemühungen in den letzten beiden Oktobertagen. Das X. Armee-Korps (30., 31., 263., 563. Inf.-Div., sowie die 4. und 14. Pz.-Div.) wurde in sehr schwere Abwehrkämpfe verwickelt. Über 4000 Mann (Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften) verlor das Korps in dieser Zeit!

Auch das Gebiet um Auce (Autz) wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Das XXXVIII. Armee-Korps (81., 83., 225., 329. Inf.-Div., sowie die 21. Luftw.-Feld-Div.) musste zwischen dem Lielauce- und dem Zebres-See schwere Abwehrkämpfe bestehen.

Beide Seiten hatten sehr hohe Verluste zu verzeichnen - es kam zu einem Abflauen der Kämpfe. Nachschub wurde dringend benötigt und die Sowjets, wie auch die Heeresgruppe Nord nutzte die Verschnaufpause, um nötige Umgruppierungen vorzunehmen. Die deutschen Verluste beliefen sich alleine in der ersten Oktoberwoche auf über 44 000 Mann.

Aufgrund von Umgruppierungen wurde der Stab der Armeeabteilung Kleffel in Richtung Westfront in Marsch gesetzt. Die Divisionen, die in Kurland zurückblieben, wurden als XVI. Armee-Korps der 16. Armee unterstellt. Die 4., 12. und 14. Panzer-Division wurden nacheinander aus der Front zurückgenommen, um als Reserve an den Brennpunkten der Front zum Einsatz zu kommen.

Auch die 18. Armee erfährt Mitte November eine Umgliederung und zeigt sich wie folgt:

I. Armee-Korps: 11., 87. und 126. Inf.-Div.
III. SS-Panzer-Korps: Die Waffen-SS-Divisionen Nordland und Nederland, sowie die 563. Inf.-Div.
X. Armee-Korps: 4. Panzer-Div., 30., 121. und 263. Inf.-Div.
II. Armee-Korps: 31., 32., 132. und 225. Inf.-Div.
Reserve: 14. Panzer-Div.

Am 19. November flammten die Kämpfe erneut auf. Schweres Artilleriefeuer ging auf die Stellungen der 18. Armee nieder - die zweite Phase der Schlacht hatte begonnen! Nach nur zwei Kampftagen rissen die Sowjets eine fünf Kilometer breite Schneise in der Front des II. Armee-Korps. Die Kämpfe griffen nun auch auf die 16. Armee über. Die "Rote Armee" versuchte nun Saldus (Frauenburg) einzunehmen und richtete ihre Angriffsbemühungen gegen die Front des deutschen XXXVIII Armee-Korps. Hohe Verluste auf beiden Seite waren die logische Folge.

Anfang Dezember ließen die Kämpfe nach - beide Seiten waren am Ende ihrer Kräfte. Nachschubprobleme taten das Übrige hinzu. Abgekämpfte Truppen wurden gegen Ersatz ausgetauscht und alle verfügbaren Kräfte wurden zum Stellungs- und Bunkerbau heran gezogen. Die Devise lautete: "Gräben statt Gräber"! Die Heeresgruppe grub sich buchstäblich in die lettische Erde.

Die Gesamtstärke der Heeresgruppe betrug Anfang Dezember 1944 noch knapp über eine halbe Million Soldaten. Mittlerweile herrschte im Land Eis und Schnee, die verschlammten Straßen und Wege wurden dadurch besser befahrbar. Die Heeresgruppe Kurland richtete sich auf die nächste Schlacht ein...


Quelle: W. Haupt - Das war Kurland, Podzun-Pallas
Mit freundlicher Unterstützung des Autors Werner Haupt



Michael Molter




1. Kurland-Schlacht
13. Oktober bis 24. Oktober 1944
2. Kurland-Schlacht
27. Oktober bis 15. Dezember 1944
3. Kurland-Schlacht
21. Dezember bis 31. Dezember 1944
4. Kurland-Schlacht
24. Januar bis 03. Februar 1945
5. Kurland-Schlacht
20. Februar bis 10. März 1945
6. Kurland-Schlacht
18. März bis 31. März 1945
Der Kampf um die Baltischen Inseln
14. September 1941 bis 25. November 1944
Die Kapitulation - das Ende in Kurland
Mitte April bis 9. Mai 1945


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