4. Kurland-Schlacht
vom 24. Januar bis 03. Februar 1945



Zwischen den großen Schlachten gab es natürlich keine Pausen. Richtige "Ruhe" herrschte an der kurländischen Front nie. So z. B. beim IV. SS-Armee-Korps: Noch in der ersten Januarwoche 1945 stand es in einem 10 km breiten Frontabschnitt in schweren Abwehrkämpfen mit den gegnerischen Divisionen. Erst ab dem 6. Januar ließen die Kämpfe nach - die Sowjets stellten ihre Angriffsbemühungen ein.

Auch an den übrigen Brennpunkten der Front - von Liepaja bis Tukums - fanden weiterhin Kämpfe statt, wenn auch ohne schlachtentscheidende Bedeutung.

Besonderes Augenmerk wurde in dieser Zeit auf deutscher Seite in den Ausbau der HKL gelegt. Neue Stellungen, Schützengräben, Bunker und Geschützstellungen wurden gebaut. Die bestehenden Nachschubwege wurden weiter verbessert. Überall in Kurland waren die Pionier-Bataillone am Bauen.

Mitte Januar 1945 wurde die Heeresgruppe Nord in Heeresgruppe Kurland umbenannt. Die bis dahin in Ostpreußen kämpfende Heeresgruppe Mitte erhielt nun die Bezeichnung "Nord", und die ehemalige Heeresgruppe Süd in Schlesien bekam dadurch den Namen Heeresgruppe Mitte. Neuer Oberbefehlshaber der HG Kurland wurde Generaloberst Rendulic. Chef des Generalstabes wurde Generalmajor Foertsch.

Auf einer Frontlänge von 120 km eröffnete am 24. Januar 1945 die sowjetische Artillerie mit kurzen, aber schweren Schlägen den Beginn der 4. Kurland-Schlacht. Zwischen Liepaja (Libau) und Saldus (Frauenburg) stürmten die Sowjets mit Hilfe starker Luftwaffenunterstützung gegen die 18. Armee an. Die davon betroffenen deutschen Armee-Korps waren von rechts nach links: I. und II. Armee-Korps, III. (Germ.) SS-Panzer-Korps, sowie das X. Armee-Korps. An mehreren Stellen gelang es den gegnerischen Truppen in die deutsche Hauptkampflinie bis zu einer Tiefe von vier Kilometern einzudringen. Sofortige Gegenangriffe brachten zwar eine gewisse Entlastung, konnten aber dennoch keine große Besserung der gefährlichen Lage herbeiführen. Soldaten der rückwärtigen Dienste wurden alarmiert, um die Lücken zu stopfen. Die Verbindung zwischen den Divisionen durfte nicht abreißen. Gleichzeitig wurde die 14. Panzer-Division in Marsch gesetzt. Ihre Fahrzeuge wurden mit Waffen, Geräten und Soldaten beladen, und in das dicht bewaldete Gebiet südlich Priekule (Preekuln) befohlen, um zusammen mit den "Tiger" - Kampfwagen der Heeres-Panzer-Abteilung 510 zum Gegenstoß anzutreten.

Unter Einbeziehung aller verfügbaren Kampfgruppen gelang es der 18. Armee eine durchgehende Frontlinie im Abschnitt Audavi - Barta - Priekule - Skuodas zu bilden und diese auch vorläufig zu halten. Eine - wenn auch nur sehr begrenzte Hilfe - erhielten die Grenadiere von den Jagdfliegern des Jagdgeschwaders 54 (Grünherz-Geschwader).

Die sowjetischen Heeresgruppe "1. Baltische Front" wurde Ende Januar umgegliedert. Unterstützt durch tagelanges Artilleriefeuer griffen die Sowjets die vor der Vartaja liegenden deutschen Stellungen an. Die Sowjetpanzer stießen durch die deutschen Linien bis auf das Höhengelände vor dem Flussabschnitt vor. Dadurch kam es Anfang Februar 1945 zu schweren Kämpfen um Audavi.

Die 18. Armee raffte nochmals alle verfügbaren Kampfgruppen zusammen, um diese an den bedrohten Frontabschnitten zum Einsatz zu bringen. Dennoch gelang es den sowjetischen Schützen- und Panzerverbänden nördlich von Priekule (Preekuln) vorbei zu stoßen, und zwei Brückenköpfe über die Vartaja zu bilden. Letztendlich gelang es aber der 121. und der 126. Infanterie-Division die feindlichen Verbände dort zum Stehen zu bringen.

Bereits Ende Januar 1945 musste das Oberkommando der "Roten Armee" erkennen, dass der geplante Durchbruch nach Liepaja (Libau) nicht mehr zu realisieren war. So wurde der Schwerpunkt weiter nach rechts, zur 16. Armee hin, verlegt. Ein Vorstoß auf Saldus (Frauenburg) sollte die beiden deutschen Armeen voneinander trennen, und durch weiteres Vorgehen Richtung Westen, sollte der Weg zur Eroberung von Liepaja (Libau) frei werden. Dies war das bisher wichtigste Ziel aller sowjetischen Angriffe. Wäre Liepaja (Libau) mit seinem wichtigen Hafen verloren gegangen, dann hätte dies das Ende der Heeresgruppe Kurland bedeutet.

In der letzten Januarwoche des Jahres 1945 trat die geballte sowjetische Macht der "2. Baltischen Front" gegen die 16. Armee an. Die Armee lag von links nach rechts wie folgt:

XVI. Armee-Korps
VI. SS-Armee-Korps
L. Armee-Korps
XXXVIII. Armee-Korps

Ab dem 28. Januar 1945 nahm die Schlacht südlich von Saldus (Frauenburg) an Härte zu. Im Mittelpunkt dieser neuen sowjetischen Offensive standen die deutschen Infanterie-Divisionen 122, 205, 215 und 329.

Am 3. Februar ebbten schlagartig die sowjetischen Angriffsbemühungen ab. Auch die Artillerie auf beiden Seiten stellte nach und nach das Feuer ein. Die 4. Kurland-Schlacht ging zu Ende.

Die am rechten Flügel der etwa 240 km langen Kurland-Front liegende 18. Armee begann sich nun neu zu formieren. Das III. (Germ.) SS-Panzer-Korps wurde herausgezogen und nach Deutschland verlegt. Gleichzeitig wurde das L. Armee-Korps von der 16. an die 18. Armee abgegeben und übernahm fortan die Führung der Verbände um Priekule (Preekuln). Die südlich Liepaja (Libau) liegende verstärkte 87. Infanterie-Division wurde dem X. Armee-Korps zugeteilt und übernahm die Verteidigungsstellungen bis zur Ostseeküste hin.

Die Verluste dieser 4. Schlacht betrugen auf deutscher Seite alles in allem mehr als 13 000 Mann (Gefallene, Vermisste und Verwundete). Auf sowjetischer Seite war diese Zahl mehr als dreimal so hoch.

Die Temperaturen wurden milder, der Schneefall ließ immer mehr nach. Die Artillerietätigkeit der Sowjets hatte auch nicht mehr die Intensität wie noch Wochen zuvor. Etwa 13 000 Tonnen an Waffen und Material wurden Anfang Februar nochmals an Nachschub aus dem Reich nach Kurland gebracht. Die "Rote Armee" zog ihrerseits Garde- und Panzertruppen aus der Front ab, um diese freiwerdenden Kräfte beim Kampf an der Oder und in Ostpreußen einzusetzen.

Bereits am 26. Januar 1945 hatte Generaloberst von Vietinghoff (bisher Oberbefehlshaber der 10. Armee in Italien) die Führung über die Heeresgruppe Kurland übernommen. Generaloberst Rendulic wurde im Gegenzug nach Ostpreußen berufen, um die dortige Heeresgruppe Nord zu befehligen. Generaloberst Rendulic kehrte jedoch am 10. März noch einmal - aber nur für vier Tage - zur Heeresgruppe Kurland zurück. Im Anschluss übernahm er die Führung der deutschen Heerestruppen in Böhmen und Österreich.

Direkt nach seiner Ankunft in Kurland ließ Generaloberst von Vietinghoff eine Studie unter dem Decknamen "Laura" von seinen Generalstabsoffizieren ausarbeiten, die den Abtransport der kompletten Heeresgruppe nach Deutschland vorsah. Der Brückenkopf Kurland sollte verkleinert, und möglichst viele Divisionen nach Deutschland transportiert werden. Es war vorgesehen, dass die 18. Armee, sowie die drei rechten Armee-Korps der 16. Armee auf Liepaja (Libau) zurückweichen sollten, und das XVI. Armee-Korps, sowie der Küstenschutz, auf Ventspils (Windau). Innerhalb von 15 Tagen sollte bei einem täglichen Zulauf von 3 Transport- und neun Frachtschiffen die gesamte Heeresgruppe verladen und abtransportiert werden können.

Bei einer großen Lagebesprechung wurden die fertigen Pläne der Studie "Laura" dem Führer vorgestellt. Doch Hitler wollte von diesem Vorhaben nichts wissen. Eine Rückführung der Kurland-Truppen kam für ihn überhaupt nicht in Frage...


Quelle: W. Haupt - Das war Kurland, Podzun-Pallas
Mit freundlicher Unterstützung des Autors Werner Haupt



Michael Molter




1. Kurland-Schlacht
13. Oktober bis 24. Oktober 1944
2. Kurland-Schlacht
27. Oktober bis 15. Dezember 1944
3. Kurland-Schlacht
21. Dezember bis 31. Dezember 1944
4. Kurland-Schlacht
24. Januar bis 03. Februar 1945
5. Kurland-Schlacht
20. Februar bis 10. März 1945
6. Kurland-Schlacht
18. März bis 31. März 1945
Der Kampf um die Baltischen Inseln
14. September 1941 bis 25. November 1944
Die Kapitulation - das Ende in Kurland
Mitte April bis 9. Mai 1945


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